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Sie wollten leben!

Montag, 12. Oktober 2026
Schwarz-weiß Foto einer jüdischen Familie in 1941, die eine Straße entlang laufen mit einem Stern auf der Brust.
© picture alliance / SZ Photo; Scherl

Am 18. Oktober 1941 verließ der erste sogenannte „Osttransport“ den Bahnhof Grunewald. Die Nationalsozialisten und ihre vielen Helfershelfer deportierten 1.013 jüdische Frauen, Männer und Kinder aus Berlin ins Ghetto Litzmannstadt, dem von deutschen Truppen besetzten polnischen Łódź. Zuvor mussten sich diese Menschen mit ihrem Handgepäck bis zum 15. Oktober im Sammellager, in der Synagoge Levetzowstraße, einfinden. Rechtlos, ihrer sozialen Stellung und ihres Besitzes beraubt, aus der Gesellschaft ausgestoßen und zu Nummern degradiert, mussten die Jüngeren unter den Augen der Berliner Bevölkerung acht Kilometer durch die Innenstadt zum Güterbahnhof Grunewald laufen. Unter dem Vorwand der Umsiedlung wurden sie von der Gestapo in den Zug gepfercht und von der Deutschen Reichsbahn in Richtung Osten transportiert. Aus Angst vor weiteren Deportationen nahmen sich danach etwa 1.600 jüdische Frauen, Männer und Kinder das Leben. Verfolgt, misshandelt, deportiert und getötet wurden bis zum Ende der Nazidiktatur auch Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas und Bekennende Christen, Homosexuelle und Menschen wegen ihrer Gesinnung, Nationalität, Behinderung oder Erkrankung.

In allen Berliner Bezirken erinnern 25 Litfaßsäulen mit großflächig gestalteten Plakaten an diesen Zivilisationsbruch und die damit verbundenen Schicksale. Fotografien, Stolpersteine, Gedenktafeln und Kurzbiografien geben diesen 100 Menschen ein Gesicht. Diesem Terror der Nationalsozialisten sind in Berlin mindestens 55.000 Frauen, Männer und Kinder zum Opfer gefallen. Ab dem 13. Oktober 2026 bis zum 16. November 2026 wird an den 25 Litfaßsäulen mit Gedenkveranstaltungen daran erinnert.

Eine begleitende Gedenkveranstaltung lädt dazu ein die Erinnerung an diese Schicksale wachzuhalten. Zur Gedenkveranstaltung kommen u.a. der Theresienstadt-Überlebende Michael Meisels, Auschwitzüberlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees Dr. Eva Umlauf und Schauspielerin Hanna Schygulla.

Die Stuttgarter Ilg-GmbH, die in Berlin ca. 1.700 Litfaßsäulen bewirtschaftet, ist einer der Medienpartner. Die Großplakate mit 100 Biografien, Fotografien und Stolpersteinen gestaltete der Grafiker Michael de Maizère. Wissenschaftlicher Mitarbeiter ist Henrik Frankemölle, künftiger Absolvent des interdisziplinären Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU-Berlin.

Das vom Regisseur und Kulturmanager Günter Jeschonnek initiierte Gedenkprojekt im öffentlichen Raum fördern die LOTTO Stiftung Berlin, Jan Philipp Reemtsma, die Inge Deutschkron Stiftung, die Berliner Bezirksämter von Charlottenburg-Wilmersdorf und Lichtenberg, das Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung und die Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung, Potsdam sowie private Spender.