Erzähltes Dersim 1937/38: Zeugnisse des Überlebens

Das ostanatolische Dersim wurde 1937–38 Schauplatz von Massakern, die das türkische Militär an der überwiegend alevitischen Bevölkerung verübt hat. Vertreibungs- und Umerziehungsmaßnahmen trugen zur weitgehenden Zerstörung der traditionellen Lebensweise Dersims bei. Das Projekt Dersim 1937/38 des Dersim Kultur- und Geschichtszentrums und der Ruhr-Universität Bochum hat Interviews mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen aufbereitet und präsentiert die auf Kırmancki, Türkisch und Deutsch untertitelten Videos nun der Öffentlichkeit. In vier Panels werden Experten und Expertinnen aus den Bereichen Gewaltforschung, Linguistik, Museologie und Kunst (Film & Graphic Novel) erkunden, wie das Material zukünftig genutzt werden kann. Diskutieren Sie mit!
WEITERE HINWEISE
Einlasszeit: 12.30 Uhr
Sprache: Deutsch
EINTRITT FREI
MIT ANMELDUNG (Es finden gleichzeitig vier Panels statt. Wir würden Sie bitten, sich bei einem der Panels anzumelden! Die Links zur Anmeldung finden Sie unten bei der Programmübersicht.)
Die Veranstaltung ist eine Kooperation des Dersim Kultur- und Geschichtszentrums, der Ruhr-Universität Bochum und des Dokumentstationszentrums Flucht, Vertreibung, Versöhnung.
PROGRAMM
13:00
Begrüßung
Dr. Kathrin Jurkat, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Eröffnungspanel Digitale Archive und Erinnerungskultur
Ahmet Canpolat, Dersim Kultur- und Geschichtszentrum
Prof. Dr. Christian Gudehus, Ruhr-Universität Bochum, Projekt Dersim 37/38
Dr. Cord Pagenstecher, wissenschaftlicher Mitarbeiter, Freie Universität Berlin, Oral-History.digital
Barbara Kurowska, wissenschaftliche Mitarbeiter, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Moderation: Dr. Kathrin Jurkat, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
14:15-16:00 Nutzung des Oral History Archives Dersim 1937/38
Diese Panels finden gleichzeitig statt. Wir würden Sie bitten, sich bei einem der vier Panels anzumelden!
1. Panel: Vermittlung in Museen
Was braucht es, um eine fundierte historische Ausstellung zu kuratieren und ein didaktisches Begleitprogramm zu erstellen? Welche Materialien können auf welche Weise verbunden werden, um Geschichte und Geschichten zu erzählen? Und welche Rolle spielt dabei das „Dersim 1937/38 Oral History Archiv“? Beruhend auf ihren langjährigen Erfahrungen geben die Referenten und Referentinnen Antworten auf diese Fragen und diskutieren Möglichkeiten, die Historie Dersims museal darzustellen und zu vermitteln.
Ruth Baumgartl, Vermittlerin, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung
Andreas Mix, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Ausstellungen, Topographie des Terrors
2. Panel: Linguistik
Ein Großteil der Zeitzeugeninterviews liegt auf Kirmanckî (Zazakî) vor. Aus linguistischer Sicht ist das Archiv damit ein metadatenreiches Korpus gesprochener Sprache von überwiegend älteren Sprecherinnen und Sprecher. Somit ist es u.a. nutzbar für Dialektforschung, morphophonologische und grammatische Analysen sowie Korpusaufbau. Damit trägt das Archiv nebst historischer Aufarbeitung zugleich zur Dokumentation und Erforschung einer bedrohten Sprache bei.
Mahîr Dogan, Linguist, Universität Bamberg
3. Panel: Gewalt und Raum
Gewalt hinterlässt Spuren nicht nur in Körpern und Biografien, sondern auch in Landschaften, Sprache und im öffentlichen Raum. Formen massiver kollektiver Gewalt wie etwa die Massaker in Dersim 1937/38 gehören nicht nur der Vergangenheit an. Ihre Auswirkungen prägen bis heute, wie Räume bewohnt, erinnert und erzählt werden. Die Verbindung von Gewalt und Raum wird in den Interviews, die im Rahmen des Projekts Dersim 1937/38 aufgearbeitet wurden, immer wieder deutlich. Die Interviewten berichten von den Räumen, die durch Gewalt verändert wurden, und wie der Bezug auf diese Räume sich ebenfalls verändert.
Dr. Ismail Küpeli, Projektkoordinator, Ruhr-Universität-Bochum, Projekt Dersim 1937/38
Dr. Tebessum Yılmaz, Dozentin, Humboldt Universität zu Berlin
4. Panel: Film und Graphic Novel
Dokumentar- und Spielfilme sind seit langem etablierte Medien der Thematisierung historischer Ereignisse. Seit gut zwei Jahrzehnten haben sich auch Graphic Novels als Medien der Vermittlung vergangener und gegenwärtiger Ereignisse etabliert. Im Rahmen eines Gesprächs zwischen Wissenschaft und Kunst (unter Einbezug des Publikums) loten wir aus, wie die Dersimer Erfahrungen in diese Formate überführbar sind.
Gülseren Sengezer, Journalistin und Filmproduzentin, Autorenkombinat GmbH
Anneli Furmak, Zeichnerin
Dr. Alexander Korb, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Arolsen Archives
Moderation: Prof. Dr. Christian Gudehus, Ruhr-Universität Bochum
16:30 Präsentation und Diskussion der Ergebnisse
17:30 Schluss