Begleitprogramm zur Sonderausstellung „Unser Mut. Juden in Europa 1945‒48"

31. März 2022, 19 Uhr
Eine Kindheit im DP-Lager Föhrenwald
Zeitzeugengespräch mit Abraham Ben
Zwischen 1945 und 1957 befand sich im oberbayerischen Föhrenwald ein Lager für jüdische Displaced Persons. Im „letzten Schtetl Europas“, wie es unter den Bewohnern bekannt war, sprach man fast ausschließlich Jiddisch, zur deutschen Bevölkerung gab es kaum Kontakt. Abraham Ben (*1947), Sohn polnischer Holocaustüberlebender, lebte bis zu seinem neunten Lebensjahr in DP-Lagern, darunter auch längere Zeit in Föhrenwald. In einem Zeitzeugengespräch mit Dr. Katharina Friedla (Fondation pour la Mémoire de la Shoah, Paris) erzählt er von seinen Erinnerungen an diesen besonderen Ort. Mit einer historischen Einführung von Dr. Angelika Königseder (Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin).
Eintritt frei
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5. Mai 2022, 19 Uhr
Neustart in Deutschland, Grenzgänge in Berlin: Jüdische Displaced Persons 1945–1948
Vortragsveranstaltung und Podium
Nach dem Zweiten Weltkrieg finden Tausende Holocaust-Überlebende als Displaced Persons Zuflucht in Berlin. Gemeinsam mit dem We Refugees Archive nehmen wir das Schicksal jüdischer DPs insgesamt als auch in der spezifischen Bedeutung für Berlin in den Blick. Die Wissenschaftlerinnen Prof. Atina Grossmann (The Cooper Union, New York) und Dr. Miriam Schulz (University of Toronto) stellen dieses besondere Kapitel der europäischen Nachkriegsgeschichte vor. Moderation: Dr. Anne von Oswald (We Refugees Archive, Berlin)
Eintritt frei
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19. Mai 2022, 19 Uhr
Dem Holocaust entkommen. Polnische Juden in der Sowjetunion (1939–1946)
Vortrag von Dr. Markus Nesselrodt
Etwa 230.000 polnische Juden überlebten den Zweiten Weltkrieg im Inneren der Sowjetunion. Der Vortrag von Dr. Markus Nesselrodt widmet sich den verschiedenen Wegen polnischer Juden aus dem besetzten Polen auf sowjetisches Staatsgebiet. Wie gestaltete sich der Alltag an der »Peripherie des Holocaust« (Yehuda Bauer) im sowjetischen Exil und wie gelangten polnische Juden nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in ihre zerstörte Heimat? Was erwartete sie dort?
Mit seinem Vortrag „Dem Holocaust entkommen: Polnische Juden in der Sowjetunion (1939 – 1946)“ stellt der Historiker und Buchautor Markus Nesselrodt diese komplizierte Flucht- und Überlebensgeschichte vor.
Moderation: Andrea Moll (Kuratorin, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin)
Eintritt frei
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6. Juli 2022, 19 Uhr
Displaced
Filmvorführung und Gespräch mit der Regisseurin Sharon Ryba-Kahn
Sharon Ryba-Kahn wurde in München geboren und hat in Israel, Frankreich und den USA gelebt. Seit 14 Jahren lebt sie wieder in Deutschland. Ryba-Kahns Großeltern väterlicherseits waren Überlebende des Holocaust. Ihr Vater wurde 1947 in einem bayerischen DP-Lager geboren. Über seine Erfahrungen wurde in der Familie jedoch nie gesprochen. In ihrem zweiten – aktuellen – Dokumentarfilm „Displaced“, der im November 2021 in die Kinos
kam, stellt sie sich ihrer Familiengeschichte und ihrem schwierigen Verhältnis zu Deutschland. Dazu nimmt die Regisseurin nach Jahren der Funkstille auch den Kontakt zu ihrem Vater wieder auf und besucht ihn in Israel, wo er heute lebt.
D, 2020, 87 Min.
Sprache: Englisch mit deutschen Untertiteln
Eintritt frei
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31. August 2022, 19 Uhr
Hans-Hermann Klare: Auerbach
Buchpremiere und Gespräch mit dem Autor
Im April 1952 begann vor dem Landgericht München ein Sensationsprozess. Angeklagt war der prominenteste Jude in Deutschland nach dem Krieg: Philipp Auerbach. Er hatte Auschwitz überlebt und stritt wie kein anderer für die Überlebenden des Holocaust. Seine Richter, ehemalige Nazis, verurteilten ihn wegen geringer Vergehen. Auerbach nahm sich noch am gleichen Tag das Leben.
Sein Schicksal steht symbolhaft dafür, dass es die „Stunde Null“ nach dem Krieg so nicht gegeben hat. Dass alte Eliten zu neuen wurden und der Antisemitismus fortlebte. Hans-Hermann Klares Biographie taucht die Nachkriegszeit in neues Licht. Sie lässt eine Welt wieder auferstehen, in der Hundertausende Displaced Persons in Deutschland für ein Leben in Würde kämpfen mussten.
Der Autor Hans-Hermann Klare war lange Jahre leitender Redakteur beim »Stern«. Seine Reportagen handeln vom Ende der Apartheid in Südafrika, vom Völkermord in Ruanda und vom Aufstand der Indigenen in Mexiko. Er engagiert sich seit vielen Jahren für die UNO-Flüchtlingshilfe in Deutschland.
Eintritt frei
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15. September 2022, 19 Uhr
Das Zelig
Ein Dokumentarfilm von Tanja Cummings Filmvorführung und Gespräch mit der Regisseurin
Im Münchner Café Zelig treffen sich jede Woche letzte, aus ganz Europa stammende Holocaust-Überlebende. Es wird viel gelacht, gefeiert und politisch gestritten, aber auch geschwiegen und getrauert. Einige von ihnen, auch ihre Kinder, machen sich auf den Weg zurück in ihre Vergangenheit, in ihre alte polnische Heimat, und sie zeigen, wie schwer es war und ist, wieder zurück ins Leben zu finden - in Deutschland, im Land der Täter.
D, 2020, 96 Min.
Sprachen: Deutsch, Polnisch, Hebräisch, Jiddisch
Mit deutschen Untertiteln
Eintritt frei
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