Berlinale Spotlight – Forum: Chronos – Fluss der Zeit

„Sarmatische Zeit“ heißt der Gedichtband von Johannes Bobrowski, der für Volker Koepp zum poetischen wie persönlichen Leitmotiv für diese bildstarke wie weitläufige Sondierung einer Region zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, entlang der Ströme Memel, Dnister und Pruth wird. Herkunfts-, Sehnsuchts- und Tatort zugleich: Sammelbecken unterschiedlicher Kulturen und Zugehörigkeiten, über ein halbes Jahrhundert Bezugs- und Fluchtpunkt im Schaffen des großen Chronisten sowie Schauplatz wiederkehrender Grausamkeit und Vernichtung. Die Rückkehr zum eigenen Werk mit neuen und alten Weggefährtinnen und Weggefährten wird zur gleichzeitigen Rückschau und Reaktualisierung.
Wie durch Delta-Arme entstehen Verbindungen zur deutschen Geschichte und zum gesamteuropäischen Kontext, zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Und für einen langen Augenblick scheint in diesem Fluss die Zeit erschreckend stillzustehen, denn spätestens seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine 2022 ist das Echo der dieser Region eingeschriebenen Gewalterfahrung nicht mehr zu überhören. Was seinen Ursprung in Gedichten über das Memelland nimmt, entwickelt sich zu einer epochalen Kontemplation über den Menschen in Zeit und Raum.
Volker Koepp
Geboren 1944 in Stettin, aufgewachsen in Berlin. Nach einer Ausbildung zum Maschinenschlosser studierte Volker Koepp an der TU Dresden, anschließend an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Babelsberg. Von 1970 bis 1991 war er als Regisseur am DEFA-Studio für Dokumentarfilm beschäftigt. Seither ist er als freier Regisseur, Autor, Produzent sowie in der Lehre tätig. Volker Koepp war mehrfach im Berlinale Forum zu Gast. Neben diversen Auszeichnungen für sein filmisches Werk erhielt er 2014 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und wurde 2021 Ehrenmitglied der Deutschen Filmakademie.
PROGRAMM
Begrüßung
Dr. Roland Borchers, Direktor, Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung (Berlin)
Filmvorführung
Chronos – Fluss der Zeit
Von: Volker Koepp, Regie, Buch
Land: Deutschland 2026
Sprache: Deutsch, Ukrainisch, Litauisch, Belarussisch, Russisch, Rumänisch (mit deutschen Untertiteln)
Dauer: 200 Minuten
Filmgespräch
Volker Koepp, Regisseur
Moderation: Barbara Wurm, Leiterin Berlinale Forum (Berlin)
WEITERE HINWEISE
Einlass: 17.30 Uhr
Sprache: Deutsch
EINTRITT FREI

